Gemeinsam über KI und Desinformation nachdenken
- Juliane Stiller

- vor 7 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Am 24. Juni hatten wir die Möglichkeit, einen Workshop für das Netzwerkprogramm Beyond Polarization der Stiftung Deutsch-Israelisches Zukunftsforum zu gestalten. Dies ist ein Programm, das junge Menschen aus Deutschland und Israel zusammenbringt, die sich in Bildungsorganisationen engagieren und gemeinsam lernen, mit unterschiedlichen Perspektiven und Widersprüchen umzugehen. Unser Thema war Künstliche Intelligenz und Desinformation.
16 junge, engagierte Menschen aus beiden Ländern haben mit uns diskutiert und es wurde schnell klar, dass das Thema sie unmittelbar betrifft. Viele nutzen ganz selbstverständlich gängige Chatbots im Alltag, sind sich dabei aber der Risiken bewusst, die mit dieser Nutzung einhergehen.
Welchem Chatbot vertraust du?
Gestartet sind wir mit einer kleinen Aufstell-Übung. Erst sollten sich die Teilnehmenden zu dem Chatbot stellen (in der Form von Zettel an den Wänden), den sie am häufigsten nutzen, Claude, ChatGPT, Vibe oder Gemini. Viele nutzen tatsächlich mehrere Tools parallel, aber ChatGPT war hier ganz klar der Vorreiter.
Spannend wurde es bei der zweiten Frage: welchem Unternehmen die Teilnehmenden bei dieser Technologie am meisten vertrauen. Hier zog es einen großen Teil der Gruppe zu Mistral. Viele kannten das Unternehmen vorher gar nicht, jedoch allein das Wissen, dass es sich um einen europäischen Anbieter handelt, hat bei vielen ausgereicht, um Vertrauen auszulösen. Aufschlussreich ist, dass Nutzung und Vertrauen offenbar nicht automatisch zusammenfallen.

Wie funktionieren Chatbots eigentlich?
Nach diesem Einstieg gab es einen Input zur Funktionsweise von Chatbots und ihrer Entwicklung, bevor wir über Risiken der Technologie für Demokratien gesprochen haben. Gemeinsam haben wir uns angeschaut, in welchen Bereichen Künstliche Intelligenz zu einer Gefahr für demokratische Gesellschaften werden kann, z. B. durch
Desinformation: wenn KI genutzt wird, um gezielt falsche oder irreführende Inhalte zu erzeugen und zu verbreiten.
Betrug und Manipulation: etwa durch Phishing und Social Engineering, bei denen KI-Tools Angriffe glaubwürdiger und schwerer erkennbar machen.
Stereotype: wenn KI-Systeme bestehende Vorurteile reproduzieren oder sogar verstärken, anstatt sie abzubauen.
Gezielte Kampagnen, um Gesellschaften zu spalten und zu polarisieren.
Stationenarbeit: KI-Bilder, Bias und Halluzinationen
Dann haben die Teilnehmenden in Kleingruppen an verschiedenen Stationen gearbeitet:
KI-generierte Bilder erkennen: Woran erkenne wir, dass Bilder von KI erzeugt wurden und was passiert, wenn wirdas zukünftig nicht mehr zuverlässig erkennen können?
Bias in KI-Bildern: Welche versteckten Vorurteile stecken in KI-generierten Bildern, und wie wirken sie sich aus, ohne dass wir es sofort merken?
Halluzinationen und ihre Folgen: Ist die Empfehlung, Klebstoff auf die Pizza zu geben, wirklich nur ein harmloser Ausrutscher? Und was machen wir mit den vielen Fällen frei erfundener Gerichtsurteile, auf die sich Anwältinnen und Anwälte in der Vergangenheit verlassen haben – mit teils ernsten Konsequenzen?
Gerade dieser letzte Punkt hat gezeigt, wie schnell aus einem amüsanten Beispiel eine ernste Frage werden kann: Wo hört ein lustiger Fehler auf, und wo beginnt ein echtes gesellschaftliches Risiko?
Zwei Länder, viele Perspektiven
Was den Workshop besonders gemacht hat, war der binationale Blick auf das Thema. Die unterschiedlichen gesellschaftlichen und medialen Kontexte in Deutschland und Israel führten zu vielen spannenden Diskussionen und neuen Perspektiven. Das Engagement der Gruppe war beeindruckend und ebenso wie die Hoffnung, die trotz aller kritischen Auseinandersetzung im Raum war: dass KI natürlich auch viel Gutes bewirken kann. Im Gesundheitsbereich etwa, oder beim Abbau von Sprachbarrieren und anderen Hürden, die Teilhabe bislang erschwert haben.
Vielen Dank an die Stiftung Deutsch-Israelisches Zukunftsforum und an alle Teilnehmenden für diesen inspirierenden Austausch!
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