Digital dabei? – Der Analyse-Workshop
- Juliane Stiller

- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Im April haben wir an dieser Stelle einen Zwischenstand aus unserem Citizen-Science-Projekt Digital dabei? geteilt: Wir forschen gemeinsam mit Berliner Bürger:innen dazu, wie Menschen mit erschwertem digitalem Zugang die öffentliche Verwaltung erleben und welche Barrieren ihnen dabei begegnen. Unsere Citizen Scientists haben Interviews geführt, Gespräche dokumentiert und eigene Erlebnisse festgehalten. Daraus entstanden sogenannte Exclusion Stories: verdichtete Erzählungen, die das Erlebnis einer Person in den Mittelpunkt stellen. Über den ersten Workshop haben wir schon berichtet. Am 27. Mai kamen unsere Citizen Scientists erneut zusammen – diesmal, um das Material gemeinsam unter die Lupe zu nehmen.

Vom Rohtext zur Erkenntnis
Ziel des Workshops war es, die Hürden und Hemmnisse, die in den Exclusion Stories sichtbar werden, gemeinsam zu identifizieren, zu bündeln und zu benennen. Die Methode folgt einem klaren Dreischritt: Markieren – Clustern – Benennen. Zu Beginn lasen die Teilnehmenden in Zweiergruppen je drei bis vier Geschichten – bewusst nicht die eigenen. Sie sollten frei assoziieren: Was fällt auf? Was hat die Person daran gehindert, ihr Anliegen selbstständig zu lösen? Wo liegt die eigentliche Hürde? Und: Was hat geholfen, was lief gut? Jede Beobachtung kam auf eine eigene Karteikarte. Anschließend wurden alle Karten gemeinsam gesichtet, gruppiert und den entstehenden Clustern Namen gegeben.
Das Card Sorting, wie diese Methode auch genannt wird, hat sich als sehr niedrigschwellig und brauchbar erwiesen, zumal es dafür keine Vorkenntnisse in qualitativer Forschung
braucht.

Eine positive, aktive Atmosphäre
Was den Workshop von Anfang an prägte, war die Motivation der Teilnehmenden. Die Atmosphäre war offen und bejahend, die Gruppenarbeit verlief inklusiv und konstruktiv. Alle brachten sich ein, diskutierten, verglichen, wogen ab. Die Wichtigkeit der Thematik war im Raum spürbar und sie schuf eine gemeinsame Grundlage, auf der die Arbeit gut gedeihen konnte. Es hat, kurz gesagt, unheimlich viel Spaß gemacht.
Bekannte Geschichten, offensichtliche Probleme
Gleichzeitig erzeugten die Geschichten echte Betroffenheit. Sie waren den Teilnehmenden nicht fremd, da sie die Erfahrungen widerspiegelten, die sie selbst oder Menschen aus ihrem Umfeld gemacht haben. Was die Teilnehmenden bewegte, war deshalb weniger die Frage, ob es Hürden gibt, sondern das Unverständnis darüber, warum einfache Lösungen nicht längst gefunden und umgesetzt werden. Warum gibt es Formulare und Behördenseiten noch immer nicht auf Englisch oder in Einfacher Sprache? Für Menschen, die täglich mit diesen Barrieren konfrontiert sind, wirken sie nicht wie komplexe Systemfragen, sondern wie lösbare Alltagshindernisse. Die Distanz zwischen dieser Perspektive und den tatsächlichen Entscheidungsprozessen in Verwaltung und Politik ist groß.
Was der Workshop sichtbar gemacht hat
Aus der Gruppenarbeit entstanden Cluster, die zeigen, welche Hürden besonders häufig und deutlich auftreten: Erreichbarkeit von Behörden, sprachliche Barrieren, fehlende Rückmeldungen, digitale Prozesse, die nicht zu Ende gedacht sind. Gleichzeitig gibt es positive Gegenbeispiele, nämlich Geschichten, in denen ein Prozess funktioniert hat, weil er einfach, klar und vollständig war.
Wie es weitergeht
Die Ergebnisse des Workshops sind ein wichtiger Baustein, aber noch nicht das Ende der Analyse. Im nächsten Schritt werden wir die ausgewerteten Daten mit weiteren Fällen ergänzen und die Cluster schärfen. Das Ziel ist ein sogenanntes Inklusionsradar: eine systematische Darstellung der Barrieren, sowie konkrete Forderungen der Betroffenen. In einem letzten Workshop werden unsere Citizen Scientists dieses Inklusionsradar gemeinsam mit uns prüfen und ihr Feedback einbringen.
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