Überlegungen zum (Erst)Kontakt mit Geflüchteten via Messenger-Dienste

In unserer Arbeit haben wir immer die Kund*innen und Nutzer*innen im Blick. Ihre Bedürfnisse und ihr Zugang zu Informationen stehen im Vordergrund. Da wir schon seit mehreren Jahren auch als Trainerinnen, Lernbegleiterinnen und Coaches mit Geflüchteten arbeiten, haben wir viel Erfahrung mit dieser Zielgruppe und wissen, dass sie aufgrund fehlender Endgeräte, fehlender Internetanschlüsse oder mangelnder Erfahrung mit Internetdienstleistungen häufig nicht an digitalen Angeboten teilnehmen können.


In der Regel erfolgt der Erstkontakt in persönlicher Form. Der direkte Kontakt und Austausch sind sehr wichtig für Geflüchtete, da in den persönlichen Gesprächen Vertrauen aufgebaut und Verbindlichkeit hergestellt werden kann. Doch gerade jetzt ist dies nicht möglich und der Erstkontakt bzw. die Kontaktreaktivierung muss digital oder telefonisch erfolgen. 


Meist nutzen Schutzbedürfte gängige Messenger-Dienste, die allseits bekannt sind: WhatsApp oder Facebook werden sehr häufig verwendet. Weniger verbreitet sind Signal, Telegram oder Threema. Man sollte sich vorher anschauen, welche Dienste es hier gibt und abwägen, welche Vor- und Nachteile diese haben in Bezug auf Datenschutz, Verschlüsselung, die dahinterstehende Organisation, Kosten, Usability, Barrierefreiheit und Funktionalitäten. Grundsätzlich macht es Sinn mit Geflüchteten über diese Dienste, die sie schon kennen, in Kontakt zu treten, da sich so technische Einstiegshürden vermeiden lassen und Messenger-Dienste generell folgende Vorteile bieten:


  • Die Nutzung ist einfach und muss nicht aufwendig erklärt werden und Kenntnisse zur Nutzung sind vorhanden.

  • Sie sind bestens geeignet, um sich schnell und unkompliziert auszutauschen, Links zu verschicken oder Termine zu vereinbaren.

  • Es können Chats für Gruppen eingerichtet werden, in denen Informationen zu bestimmten Themen, Veranstaltungen etc. veröffentlicht werden können. 

  • Es können Kanäle zu bestimmten Themen eingerichtet werden (beispielsweise bei Telegram),  so dass man Informationen, die man einmal veröffentlicht hat, nicht an jede Person einzeln noch mal verschicken muss. Die Personen, die den Kanal abonnieren, bekommen die Informationen automatisch, sobald es einen neuen Beitrag gibt. 

  • Man kann Kanäle auch als eigenes Archiv für gesammelte Informationen zu bestimmten Themen nutzen. Beiträge, die man selbst in Kanäle eingestellt hat oder Kanäle, die man abonniert hat zu interessanten und wichtigen Themen, können zu einem späteren Zeitpunkt recherchiert werden. Über die Suchfunktion können die Informationen wiedergefunden und an Kontakte oder Gruppen weitergeleitet werden. Auf diese Weise erspart man sich die Suche nach Informationen im Internet immer wieder aufs Neue.

Leider haben Messenger-Dienste einen großen Nachteil:den Datenschutz. Es liegt in der Verantwortung der Berater*innen, mit den ihnen anvertrauten Daten sorgfältig umzugehen und Dokumente wie Asylbescheide oder Ähnliches nicht über Dienste wie WhatsApp zu verschicken. Wir können an dieser Stelle nicht detailliert auf den Datenschutz bzw. die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) eingehen. Dazu gibt es im Netz viele Informationen. Einen guten Einstieg in das Thema bietet z.B. die Verbraucherschutzzentrale. Für den Austausch personenbezogener Daten und Dokumente sollte man auf ein anderes Medium umsteigen, auch deshalb, weil die Messenger zum Austausch und Bearbeiten von Dokumenten ungeeignet sind. In der Regel ist dann E-Mail die nächste Wahl. Die Nutzung von E-Mail stellt viele Geflüchtete vor große Herausforderungenund bevor man mit der Beratung beginnt, muss zunächst geklärt werden, ob die Zielgruppe mit der Nutzung von E-Mail vertraut ist. Dazu werden wir zueinem späteren Zeitpunkt einen eigenen Blogpost veröffentlichen. 

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