Informationskompetenz braucht Allianzen - Rückblick auf das Forum Informations- und Nachrichtenkompetenz
Wie gelingt es, dass die Akteur:innen, die sich für Informations- und Nachrichtenkompetenz engagieren, zu einem Netzwerk zusammenschließen, das zusammenarbeitet? Mit dieser Frage im Gepäck waren unsere Vorständinnen am 25. September beim Forum Informations- und Nachrichtenkompetenz am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin.
Eingeladen hatten der Deutsche Bibliotheksverband, das Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft, die Stiftung Digitale Chancen und die Stiftung Kinder forschen. Das Programm gliederte sich in drei Teile: einen Impuls, ein Barcamp am Vormittag und Thementische am Nachmittag zur Frage, wie wir als Netzwerk weiterarbeiten.

Vier Punkte zum Auftakt
Nancy Faeser, MdB und Bundesministerin a. D., eröffnete den Tag mit einem Impuls. Ihre Kernthese war: Informationskompetenz ist Demokratiekompetenz. Um die Bedrohungen von Desinformation und synthetischen Medien für die Demokratie einzudämmen, nannte sie vier Ansatzpunkte:
KI regulieren und gezielt nutzen. KI müsse reguliert werden, könne aber auch helfen, Desinformation und Manipulation zu erkennen. Dafür brauche es eigene KI-Systeme und Plattformen, die in der EU entwickelt und angesiedelt sind.
In Bildung investieren. Gemeint ist ausdrücklich auch Lesekompetenz – die Grundlage, auf der alles andere aufbaut. Faeser forderte massive Investitionen in den Kompetenzaufbau, auch in Erwachsenenbildung; Zudem sprach sie sich für eine Föderalismusreform aus, die Bildung stärker zur Bundesaufgabe macht.
Seriöse Quellen erkennen und schützen. Die Glaubwürdigkeit etablierter Medien wird zunehmend in Frage gestellt. Wie gut können wir verlässliche Medien von unseriösen unterscheiden und wie erkennen wir Desinformation im Alltag?
Zusammenhalt und Zusammenarbeit. Wer Demokratie verteidigen will, muss sich verbinden. Die Akteur*innen im Feld sollten sich zusammentun, statt nebeneinander zu arbeiten.
An den vierten Punkt knüpfte der restliche Tag direkt an.
Barcamp: Netzwerk, Sichtbarkeit, Reichweite
Im Barcamp brachten die Teilnehmenden eigene Themen ein. Drei Fragen zogen sich durch die Sessions:
Netzwerkarbeit: Wo liegen die Chancen, wo die Hürden, wenn viele kleine und große Akteur*innen zusammenarbeiten wollen?
Sichtbarkeit: Bibliotheken leisten viel für Informations- und Nachrichtenkompetenz. Nach außen ist das oft kaum bekannt – weder ihre Angebote noch ihre Rolle im Feld.
Reichweite: Wie erreichen wir Menschen, die für klassische Bildungsangebote nicht mehr erreichbar sind?
Die Ergebnisse wurden zum Abschluss im Plenum vorgestellt.
Wie arbeiten wir als Allianz weiter?
Am Nachmittag ging es vom Austausch zur Arbeit an einer möglichen Allianz selbst. An drei Thementischen diskutierten wir:
Bestehende Angebote: Was gibt es schon und wo sind die Lücken?
Kooperationsformate: Wie wollen wir konkret zusammenarbeiten?
Ziele: Was wollen wir als Allianz gemeinsam erreichen?
Dabei hat sich gezeigt, dass ein tragfähiges Netzwerk auch Ressourcen braucht, um nicht nach ein paar Monaten im Sande zu verlaufen. Eine verbindliche Struktur, die ein gemeinsames Ziel sowie ein Alleinstellungsmerkmal verfolgt und über eine ausreichende Ressourcenausstattung verfügt, ist eine Voraussetzung für Tragfähigkeit. Wie so eine Struktur konkret aussehen kann, wird in den kommenden Schritten weiter ausgearbeitet.
Fazit
Der Tag hat gezeigt, wie viel Expertise im Feld bereits vorhanden ist und wie viele tolle Angebote, die von engagierten Menschen durchgeführt werden, es gibt. Was fehlt, ist eine gemeinsame Stimme, die auch Defizite gegenüber der Politik sichtbar machen kann: Angebote stehen oft nebeneinander, Expert:innen sind über Sektoren hinweg zu wenig vernetzt und die Wichtigkeit von Nachrichten- und Informationskompetenz ist noch nicht in der ganzen Gesellschaft angekommen.
Eine Allianz kann dies ändern, wenn sie nicht nur Akteur:innen vernetzt, sondern deren Arbeit sichtbar macht und Schlagkraft für die Wichtigkeit von Informationskompetenz entwickelt. Für uns war es ein inspirierender Tag, der uns wieder einmal gezeigt hat, wie wichtig unsere Arbeit und der Einsatz für Informationskompetenz sind. Ein besonderer Dank gilt dem Organisationsteam für die Gastfreundschaft und die tolle Vorbereitung sowie Durchführung der Gruppendiskussionen.
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