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Der Digital Divide als gesellschaftliche Herausforderung

Der Kooperative Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg (KOBV) veranstaltete in diesem Jahr nun schon zum 20. Mal das KOBV-Forum. Neben einer Präsenzveranstaltung wurde das Programm durch eine Online-Veranstaltung zum Thema “Gesellschaftliche Verantwortung von Bibliotheken in Krisenzeiten” ergänzt. Das Forum bietet Interessierten jedes Jahr einen Einblick in die Arbeit des Verbundes.


Bibliotheken sind als Kultur- und Bildungseinrichtungen ein wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge. Indem sie Zugang zu (fast) kostenlosen Informationen und Wissen sowie digitaler Infrastruktur ermöglichen, leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit. In Bezug auf die aktuellen Krisen in unserer Gesellschaft setzten sich die Referent:innen in ihren Vorträgen mit den Themen Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz, Fake News und Desinformationen sowie digitaler Inklusion auseinander.


An der digitalen Veranstaltung nahmen rund 90 Personen teil und wir waren mit zwei Vorträgen vertreten. Eine Zusammenfassung des Vortrags zu Desinformation im Gesundheitsbereich finden Sie hier.


Dr. Violeta Trkulja ging in ihrem Kurzvortrag “Digitale Inklusion von Menschen mit Fluchtbiografie” auf den Digital Divide als gesellschaftliche Herausforderung ein. Der Digital Divide (auch als Digitale Spaltung oder Digitale Kluft bezeichnet) beschreibt die Unterschiede in der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien, insbesondere dem Internet. In Studien zum Digital Divide steht heute weniger der Zugang zur Technik oder zum Internet, als vielmehr die unterschiedliche Nutzung dieser im Vordergrund. Aus dieser ergeben sich Wissensklüfte, die wiederum Auswirkungen auf die Chancengleichheit von Menschen haben.


Wir sehen die Beseitigung bzw. Verringerung des Digital Divide in der digitalen Inklusion, d.h. der gleichen Teilhabe an einer digitalisierten Welt. Faktoren, die zu einem Digital Divide führen bzw. diesen begünstigen, sind in dieser Reihenfolge mangelnde digitale Kompetenzen, teure Zugänge, fehlende Ausstattung, schlechte Internetverbindung in ländlichen Gebieten, Sicherheits- und Datenschutzbedenken, fehlende Motivation bzw. fehlendes Interesse sowie mangelnde Barrierefreiheit. Diese Faktoren wurden zuletzt in einer Studie mit Expert:innen als Gründe für einen Digital Divide benannt, wobei der Faktor der digitalen Kompetenzen als der ausschlaggebendste angesehen wird. Die Steigerung digitaler Kompetenzen ist eine der Voraussetzungen für die digitale Inklusion von Menschen.


Bibliotheken spielen eine wichtige Rolle, um die digitale Inklusion zu fördern und sie vor allem auch für marginalisierte Gruppen zu verwirklichen. Um Projekte in diesem Bereich umzusetzen oder Angebote in der Bibliothek zu gestalten, sollten mit Blick auf die Zielgruppe von Menschen mit Fluchtbiografie folgende Punkte Beachtung finden:


  1. Auseinandersetzung mit Kompetenzskalen (ein Beispiel für eine Selbsteinschätzungsskala ist das “Digital Competence Framework for Citizens” der Europäischen Kommission), um die digitalen Kompetenzen ihrer Zielgruppe verorten und Angebote somit auch evaluieren zu können,

  2. Betrachtung der Lebenssituation und Vorkenntnisse der Zielgruppe,

  3. Bereitstellung der benötigten Infrastruktur, wie Laptops und WLAN, aber auch der Zugang zu anderen Materialien oder die Bereitstellung von Kinderbetreuung.

  4. Reflektion über den eigenen Umgang mit Medien und Information und den Einstellungen zum Thema Digitale Kompetenzen.

All diese Überlegungen haben wir in unser neues Projekt “Intro - Internet Recherche Kommunikation” einfließen lassen, in welchem wir zeit- und ortsunabhängige Kurse zur Vermittlung digitaler Kompetenzen für Menschen mit Fluchtbiografie anbieten. Hierdurch können wir einen Beitrag dazu leisten, die Lücke basaler digitaler Kompetenzen in der Gesellschaft ein Stück weiter zu schließen.




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